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Erben verbieten Verwendung des Namens "Ingeborg Bachmann Preis"

Klagenfurt (APA) - Angesichts der politischen Veränderungen in Österreich haben die Erben der weltbekannten österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) Landeshauptmann Jörg Haider mitgeteilt, dass dem Land Kärnten bis auf weiteres die Verwendung des Namens "Ingeborg Bachmann Preis" untersagt werde.

Das gelte so lange, "bis wir davon ausgehen können, dass die Politik in diesem Lande nicht mehr beschämend sein wird und sich ihrer, der Weltliteratur zugehörenden Autorin, würdig erweist", heisst es in einem Schreiben, das am Montag Isolde Moser und Heinz Bachmann an die APA gerichtet haben.


ERKLÄRUNG DER VERANSTALTER DES INGEBORG-BACHMANN-WETTBEWERBES

Die Idee und das Konzept des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbes wurden 1976 von der Stadt Klagenfurt und dem ORF Kärnten entwickelt. Seither wird die Veranstaltung ausschließlich von der Stadt Klagenfurt und dem ORF Kärnten organisiert und durchgeführt. Das Land Kärnten stellt mit dem Preis des Landes Kärnten (seit 1985) einen der von der Jury vergebenen vier Preise zur Verfügung und ist darüber hinaus weder ideell noch finanziell in die Veranstaltung involviert. Die Entscheidung über die Vergabe aller Preise und Stipendien liegt ausschließlich bei der internationalen Jury.

Die Veranstalter, ORF Kärnten und Stadt Klagenfurt, sehen es als vorrangiges Ziel im Einvernehmen mit den Erben Ingeborg Bachmanns diese wichtige Plattform der deutschsprachigen Literatur als Forum des freien Wortes zu erhalten. Die für den gesamten deutschsprachigen Literaturbetrieb bedeutende Veranstaltung soll vom 28. Juni bis 2. Juli zum 24. mal in Klagenfurt stattfinden.

Für die Veranstalter,
Gerhard Draxler, Intendant ORF Landesstudio Kärnten
Stadtrat Walter Gassner, Kulturreferent der Landeshauptstadt Klagenfurt


Reaktion von Landeshauptmann und Landeskulturreferent Haider

"Ich habe vor Monatsfrist entschieden, dass das Land Kärnten aus dem Bachmannwettbewerb aussteigen wird, weil ich einen Literaturnachwuchswettbewerb für die Jugend in Kärnten machen möchte, und eine an sich totgelaufene, sterile Veranstaltung wie den Bachmannpreis, nicht sehr schätze. Das Land Kärnten hat daher mitgeteilt, dass wir künftig keine finanziellen Zuwendungen mehr leisten werden".

(ORF Kärnten, 8. 2. 2000)


Stellungnahme von Dr. Bernd Liepolt-Mosser vom Fachbeirat Literatur

Die Berufung auf eine Entscheidung des Kulturgremiums, ist aber für das Gremium selbst nicht nachvollziehbar. Denn dem Fachbeirat für Literatur fehlt für diese Aussage des Referenten die Grundlage, wie Dr. Bernd Liepolt-Mosser vom Fachbeirat Literatur dem ORF gegenüber bestätigte.

"Wir haben keinerlei Beratungen zu diesem Thema geführt. Grundsätzlich glaube ich schon, dass man sich darüber einig ist, dass der Bachmannpreis d i e wesentliche Veranstaltung zum Bereich Literatur in Kärnten und vielleicht in Österreich ist".

(ORF Kärnten, 8. 2. 2000)


ERKLÄRUNG DER LANDESHAUPTSTADT KLAGENFURT UND DES ORF KÄRNTEN

10.02.00

Die Stadt Klagenfurt und der ORF-Kärnten erklären als Veranstalter des "Bachmann-Wettbewerbes", daß die "Tage der deutschsprachigen Literatur" vom 28. Juni bis 2. Juli zum 24. mal in Klagenfurt stattfinden werden. Modus und Charakter der Veranstaltung sollen wie geplant beibehalten werden.

Die Stadt Klagenfurt stiftet wieder den mit 250 000 Schilling dotierten Hauptpreis. Für den zurückgezogenen Preis des Landes Kärnten liegen mehrere Angebote von privaten Stiftern und anderen Institutionen vor.

Der Kulturkanal 3SAT hat seine Unterstützung zugesagt und plant, die Veranstaltung wieder in ihrer gesamten Länge zu übertragen.

Mit den Rechtsnachfolgern von Ingeborg Bachmann wurden Gespräche aufgenommen. Die Veranstalter werden gemeinsam mit den Erben in den nächsten Wochen nach einer Lösung bezüglich ihrer Verfügung, wonach der Name der Autorin Ingeborg Bachmann nicht mehr verwendet werden sollte, suchen. In die Gespräche werden auch die Mitglieder der Jury der "Tage der deutschsprachigen Literatur" eingebunden.

Da die Erben der Veranstaltung grundsätzlich positiv gegenüber stehen, sind die Veranstalter zuversichtlich. Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die sowohl im Sinne der Haltung Ingeborg Bachmanns als auch der international renommierten Literaturveranstaltung ist. Für den 24. Wettbewerb liegen bereits mehrere hundert Anfragen von Autorinnen und Autoren vor.

Klagenfurt, 10.2.2000

Für die Veranstalter,
Gerhard Draxler, Intendant ORF Landesstudio Kärnten
Walter Gassner, Stadtrat für Kultur der Landeshauptstadt Klagenfurt
Dr. Dieter Jandl, Stadtrat für Forschung und Wissenschaft


BACHMANN-WETTBEWERB, Stellungnahme 3sat

10.02.00

Die 3sat-Verantwortlichen von ZDF, SF DRS, ARD und ORF als Mitveranstalter des Bewerbes, haben ihr Interesse daran geäußert, daß der Bachmann-Preis auch im Jahr 2000 stattfindet und so wie in den letzten elf Jahren live im gemeinsamen Kulturprogramm übertragen wird.

Selbstverständlicher Grundsatz dieses Literatur-Wettbewerbes war es von Anbeginn, daß sich die Autoren in ihren Texten und Wortmeldungen frei und ungehindert äußern konnten. Daran werde sich auch am Bachmann-Wettbewerb 2000 ändern.

Die Partner vertreten allerdings einstimmig die Ansicht, daß Einigung mit den Bachmann-Erben anzustreben sei.

Peter Zurek, 3sat Wien


Zuerst erschienen: 8.2.2000