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Aus rechts mach links mach jüdisch | |||||
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Auch im Fall der antisemitischen Friedhofsschändung von Eisenstadt
versucht die FPÖ und ihr Umfeld zunächst eine linke Provokation zu
konstruieren. Als sich dann die wahren Täter als Neonazis mit
freiheitlichem Background entpuppen, bringt dies nur kurzfristig
Verunsicherung in die Reihen der FPÖ-Aufdecker. Danach rücken sie
einfach Juden und Jüdinnen selbst in einen Zusammenhang mit den
Tätern: Eine linke "Scheinaktion". In der Nacht auf den 31. Oktober 1992 schänden unbekannte Täter den jüdischen Friedhof in Eisenstadt. Sie werfen Grabsteine um, beschmieren diese mit Parolen wie "Sieg Haider", "Gas", "SS" und hinterlegen ein Schreiben einer "Rassischsozialistischen Arischen Wiederstandsbewegung" (sic!), mit welchem sie ihrem "Vorbild Jörg Haider einen arischen Gruß zukommen lassen" wollen. Bereits am nächsten Tag spricht FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger von einer "bewußte(n) Aktion linksextremer Provokateure". Die SPÖ habe "ihre radikalen linkslinken Elemente" gegen die gerade einsetzende "Österreich zuerst"-Kampagne der FPÖ mobilisiert, schimpft Haider. Und diesen seien in ihrem Kampf gegen das FPÖ-Ausländer-Volksbegehren "Scheinaktionen" wie die Friedhofsschändung zuzutrauen. Ende 1992 wird nach einem Hinweis des später als Briefbombenverdächtiger verhafteten VAPO-Kaders Peter Binder ein mutmaßlicher Täter in U-Haft gesetzt. Bei diesem handelt es sich um den Neonazi Walter K., was Meischberger jedoch nicht davon abhält, immer noch von der Tat eines "Linkschaoten" zu sprechen. Haider nennt K. gar einen von einer Gruppe "linker Anwälte gesteuerten Provokateur". Auch der nunmehrige FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler, dessen Namen von den Friedhofschändern ebenfalls auf einem Grabstein verewigt worden war, ist bemüht, gegenüber Ermittlern den Eindruck zu erwecken, daß K. mit der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft nach einem anfänglichen Techtelmechtel mittlerweile über Kreuz sei. Daneben bekräftigt er gegenüber Beamten der EBT die Spur zu K.: "Wenn mein Name dort aufscheint, dann hat hundertprozentig der K. damit zu tun. Wenn er selbst nicht gesprüht hat, dann hat er zumindest jemanden dazu angestiftet. ... Wir von der FPÖ haben bisher geglaubt, daß Kinder von roten Landes- und Stadtpolitikern die Täter sind." Im März 1995 wird der als psychisch labil und pathologischer Lügner bezeichnete K., der sich nach seinen kränkenden Erfahrungen in der rechtsextemen Szene an Haider durch die Weitergabe eines kompromitierenden Fotos rächen wollte, jedoch vom Verdacht der Friedhofsschändung freigesprochen. Auf ihrer Suche nach den BBA-"Kampftrupps" stoßen die Ermittler im Sommer 1996 schließlich auf Wolfgang Tomsits und Christian W. Anderle, beide aus dem Umfeld von Franz Radl jun. Während Tomsits verhaftet werden kann und die Friedhofsschändung auch umgehend gesteht, befindet sich der mutmaßliche Haupttäter Anderle seit damals auf der Flucht. Es dürfte ihm nicht schwer gefallen sein, bei Kameraden im Ausland unterzutauchen, verfügt er doch über beste internationale Kontakte. Unter anderem findet sich Anderle auf einer Liste der deutschen Neonazi-Truppe Nationalistische Front (NF). Nun platzt also die freiheitliche Verschwörungstheorie. Nicht nur, daß die Täter keine Linken waren, sie engagierten sich auch für die FPÖ und waren mit derem Bundesgschäftsführer Karl Schweitzer persönlich bekannt. Wie profil aufdeckt, waren die beiden Friedhofsschänder Ende 1991 unter den Gründungsmitgliedern der FPÖ-Bezirksjugendgruppe im burgenländischen Oberwart, wo sie zumindest bis Juni 1993 tätig gewesen sein sollen. Laut dem Protokoll der konstituierenden Sitzung des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ) in der burgenländischen Bezirkshauptstadt nahmen an dieser neben Schweitzer, dessen ehemaligem Schüler Anderle und Tomsits unter anderem die Gattin des später als Privatermittler in Oberwart aufgeflogenen Martin Magdits und der Radl-Freund Christan Schaberl teil. Die betroffenen FPÖ-Funktionäre reagieren auf diese Enthüllungen wie gewohnt: RFJ-Landesobmann Klaus Fischl nennt das Protokoll schlicht eine "Manipulation" und droht mit rechtlichen Schritten gegen den Urheber dieser vermeintlichen Fälschung. Auch Schweitzer bestreitet zunächst alle Vorwürfe und droht mit einem medienrechtlichen Verfahren gegen profil. Einzig der FPÖ-Landesobmann Wolfgang Rauter beginnt bereits mit dem Rückzugsgefecht und meint angesichts des FPÖ-Engagements der beiden Friedhofsschänder, daß man ja nicht in Menschen hineinschauen könne. Zu allem Übel sickert kurz darauf auch noch durch, daß Anderle von Schweitzer im schulischen Rahmen persönlich für den RFJ angeworben worden sein soll. Dem immer noch nicht genug, wurde bekannt, daß sich Anderle nicht nur im RFJ betätigte, sondern unmittelbar vor der Friedhofsschändung auch auf einem aussichtsreichen FPÖ-Listenplatz in seiner Heimatgemeinde Stadtschlaining kandidierte. Der damals für die KandidatInnenauswahl mitverantwortliche Schweitzer greift, schon etwas kleinlaut, den Ausspruch Rauters auf: "Ich kann in keinen Menschen hineinschauen, ich kann ja nicht wissen, daß er in den Dunstkreis von Friedhofsschändern kommt." Persönliche Konsequenzen ergeben sich für Schweitzer zu diesem Zeitpunkt noch keine. Auch die Partei steht noch geschlossen zu ihrem Bundesgeschäftsführer. Doch kurz darauf werden Schweitzers Gedächtnislücken erneut vorgeführt. Das Magazin News weist nach, daß Schweitzer entgegen seinen Behauptungen auch nach der Tat Kontakt zu Anderle gehabt hat. Mehr noch: Nach einer weiteren Hausdurchsuchung, bei welcher umfangreiches neonazistisches Material beschlagnahmt werden konnte, nimmt Anderle im Juni 1995 an einer FPÖ-Länderkonferenz im Burgenland teil. Dort soll Schweitzer den bereits arg bedrängten Neonazi einem ORF-Reporter vorgestellt haben. Er verband dies mit der Bitte, für den "arme(n) Herr(n) Anderle", dem die Polizei den Computer weggenommen habe, etwas zu tun. Schweitzer laut News weiter: "Da seht ihr, mit welchen Methoden in Österreich gearbeitet wird und wie kritische Menschen mundtot gemacht werden sollen".Auch in seiner Rede ging Schweitzer damals auf die Verfolgung dieser kritischen Menschen ein: "Die Polizei ist mit den Ermittlungen in einer falschen Etage, was das Attentat von Oberwart betrifft (...). Es war bereits im Februar, daß Mitglieder unserer Bewegung, Mitglieder des Ringes Freiheitlicher Jugend, von Beamten der EBT aufgesucht wurden; ob das ein Wolfgang T. war, der Besuch bekam, ob das ein Günther K. war, oder ob das ein Chistian A. war. Alle haben Besuch von ermittelnden Beamten bekommen in Zusammenhang mit dem Attentat von Oberwart. Und beim Christian gab es zwei Hausdurchsuchungen ohne irgendeinen Anlaß an seiner Wohnsitzgemeinde und in Wien." Erst zwei Monate nach dem Auffliegen von Schweitzers Eintreten für die verdächtigen Mitglieder seiner Bewegung wird dieser von seiner Stelle als Bundesgeschäftsführer abgezogen. Im Nationalrat sitzt er bis heute.
Ein Fall für StadlerSpät aber doch tritt FPÖ-Klubchef Ewald Stadler im September 1996 auf den Plan. Der Spezialist für Verschwörungen gegen die Freiheitlichen spricht zunächst von einer "Hetze" gegen seinen Bundesgeschäftsführer. Zeitgerecht vor der Wahl werde die "Friedhofsschänderkriminalstory präsentiert", um der FPÖ zu schaden. Während Jürgen Hatzenbichler schon im August eingestanden hat, daß die Tat "keine Provokation (war), sondern (...) von rechtsextremen Tätern (kam)", beweist Stadler teutonische Standfestigkeit und ignoriert alle Warnungen, wonach das Treiben der "freiheitlichen Verschwörungstheoretiker" geeignet sei, den Eindruck zu erwecken, "als ob die FPÖ irgendetwas verschleiern wolle, wenn sie alles 'den Linken' in die Schuhe schiebt."In einer parlamentarischen Anfrage an den Innen- und den Justizminister spricht Stadler Anfang Oktober unbeirrt von einer Provokation. Anderle sei "bewußt über den RFJ bei der FPÖ eingeschleust und in die Nähe des Abgeordneten Schweitzer gebracht" worden. Der unerschrockene Aufdecker baut neben Walter K. nun auch Beamte der Staatspolizei, das Magazin News und gar Franz Radl jun. samt Anwalt in seine von langer Hand vorbereitete Verschwörung gegen die FPÖ ein. Die Anfrage unterscheidet sich von vorangegangenen Entlastungsversuchen vor allem durch die Behauptung des jüdischen Charakters dieser Verschwörung. Denn Stadler bezieht nun die "Loge B`nai B`rith", in welcher "seit einiger Zeit gezielte Aktionen gegen die FPÖ und Jörg Haider unternommen (werden)", in seine Angriffe mit ein. FPÖ-Vordenker Stadler, der ein "wehrhaftes Christentum" im neuen FPÖ-Programm verankern wollte, weiter: "Im Rahmen einer geheimen Logensitzung am 3. Juni 1996 wurde sogar eine 'Causa Jörg Haider' als eigener Tagesordnungspunkt abgehandelt."Einmal auf der heißen Spur, wird Stadler auch fündig: Er präsentiert eine eidesstattliche Erklärung der Eltern des mittlerweile zu vier Jahren Haft verurteilten Tomsits, wonach ihr Sohn von dessem Gesinnungskameraden Anderle gedrängt worden sei, zum jüdischen Glauben überzutreten. Als Mitunterzeichner dieser Erklärung scheint ein Gerhard Staudinger auf. Dieser Mitarbeiter Stadlers ist in der rechtsextremen Szene kein Unbekannter: Staudinger beehrte wiederholt das "Dichtersteintreffen" im oberösterreichischen Offenhausen, wohin alljährlich Rechtsextremisten und Neonazis aus allen deutschen Gauen pilgern, um der "arteigenen" Dichtkunst ihre Ehre zu erweisen. Seine Treue wurde 1988 vom Verein Dichterstein Offenhausen gar mit einer Ehrennadel belohnt. News präsentierte darüber hinaus ein Foto, das Staudinger 1995 in Offenhausen gemeinsam mit dem Linzer Kader Sebastian Müllegger zeigt. Beide finden sich - wie übrigens auch die Friedhofsschänder von Eisenstadt - im Adressbuch von Franz Radl jun. Stadlers Helfer interessiert sich daneben schon länger für die Judenfeindschaft. So berichtet er in einem Leserbrief an die Aula über den "jüdischen Vorwurf des Antisemitismus", dem 1947 in der sozialistischen Arbeiterzeitung mit dem Hinweis entgegnet worden sei, "daß das Martyrium der Juden keine Sonderbehandlung rechtfertige, denn 'von den 34 Millionen Opfern des Nationalsozialismus stellen die nach den Nürnberger Gesetzen drangsalierten Personen nur ein Sechstel oder ein Siebentel dar'."Staudinger beklagt angesichts dieser deutlichen Worte: "So konnte man noch 1947 sprechen! 1987 ist das anders..." 1996 arbeitet Staudinger dem geschäftsführenden Klubobmann der FPÖ zu.
Quellenangaben:
Zuerst erschienen: bislang unveröffentlichter Text, 1997 AutorIn: Wolfgang Purtscheller | |||||