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Die Reinkarnation auf den Hund gekommen

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  "Der Winter ist absolut unhippig", sagt ein Buggl aus der Ich-will-Spaß-Generation zu einem Gleichaltrigen, dem die Schneeflocken auf der Glatze schmelzen.

"Aber urcool", antwortet der, dann zwängen sie sich in den 67er Richtung Reumannplatz.

Jedenfalls ist der Winter gnädig, denke ich mir, denn er breitet über den ganzen Dreck ein schönes weißes Deckerl.

"Was können wir tun, um unserem Leben etwas Farbe zu geben?", frage ich auf dem Weg zur Arbeit den neben mir herlaufenden schwarzen Hund.

Er antwortet auf seine Weise, indem er ein großes gelbes Loch in die frische dünne Schneedecke brunzt - und schon ist die Welt etwas bunter. Ich bin baff! Ist der Sumpfdackel gar die Reinkarnation eines berühmten Malers!?

War er auch einmal nur ein Mensch....und ich ein Hund?

Was Bäume Anpinkeln betrifft, besonders beim Volksstimmefest, könnte es fast so sein.

Vielleicht war ich in einem früheren Leben schon auf der Jesuitenwiese äußerln, wer weiß?

Ich wage ein grenzwissenschaftliches Experiment, bleib stehn, sage: "Picasso!"

Denn - hatte der nicht unter anderen auch eine gelbe Phase? Der Hund schaut mich an, wedelt mit dem Schwanz.

"Waldmüller!" Der Schwanz wedelt stärker, die Ohrwaschln wacheln. "Arnulf Rainer!!", schrei ich, der Hund bellt aufgeregt. Halt - der lebt ja noch. Da läuft etwas falsch.

Am nächsten Tag schleiche ich mich in den Esoterikladen zwei Häuser weiter.

"Guten Tag", beinahe hätte ich beim Abnehmen meines Wollpräserls ein Federbüschl mit dem Schilderl `Angebot: Traumfänger 199,-' vom Plafond gerissen, "ich tät mich für Reinkarnation interessiern". "Bitte - dort drüben ist der Bücherständer", antwortet die Verkäuferin während sie an einem Socken strickt.

Die Büchertitel sind überdrüber: `Ein intergalaktischer Reiseführer in die 4.Dimension', `Verlockung des Wahnsinns', `Wie würde es Konfuzius anstellen, eine Gehaltserhöhung zu bekommen' undsoweiter. Endlich die Wiedergeburten - Enttäuschung, nichts über Maler oder Hunde, nur: `Ich war einmal - Kinder erinnern sich an frühere Leben'... `Reinkarnationsforschung mit dem Pendel'; das klingt alles wie meine Oma. Sie hat aus dem Kaffeesud gelesen und mir zum Beispiel geweissagt, daß ich, wenn ich brav die Augsburger, und vor allem den Spinat aufesse, einmal auf den Mond fliegen werde. Darauf hab ich ihr prophezeit, daß ich, wenn ich groß bin, nie mehr diesen grauslichen grünen Schlaatz essen werde. Ihre Prophezeiung hat sich nicht erfüllt, meine schon.

"Grüß Gott, bitte meinem Wellensittich gehn so die Federn aus", kommt eine alte Frau herein. "Probiern Sie's doch einmal mit Bachblüten", rät ihr die Verkäuferin. Bachblüten! Schon wieder sowas Dubioses. Was soll das dem armen Vogerl helfen, wenn man einen Teller Wasser bei Sonnenaufgang neben ein Unkraut stellt, das Ganze x-fach verdünnt, dann noch einmal verdünnt und dem armen Viech fünfzehnmal täglich siebeneinhalb Tropfen auf den Schädel regnen läßt ? "Bachblüten", hat mein Freund Tscharlie E. einmal festgestellt, "das ist so, wie wenn wer davon, daß er neben einem Kellner, schon einen Rausch kriegt." Der Hokuspokus beginnt mich zu nerven. Ich kauf eine Packung Alibi-Räucherstäbchen und vertschüß mich.

Am selben Nachmittag kommt ein echter Inder mit Turban in mein Geschäft und bietet an, mir die Zukunft aus der Hand zu lesen. Ich verzichte dankend und gebe ihm einen Fünfziger, damit er mich in Ruhe läßt - aber er versteht das scheinbar falsch, packt blitzartig mein Handgelenk, verdreht mir den Arm, macht eine kurzen Blick auf meine Handfläche und prophezeit soviel Glück und langes Leben, wie man für einen Fuffziger eben bekommt - das ist beschissen wenig, denn gleich darauf stellt sich eine Frau als Exekutorin vor, und will von mir zwanzig Tausender Kammerumlage kassieren.

"Ich bin offensichtlich ein schlechtes Medium oder zumindest von allen guten Geistern verlassen", sag ich am Abend zur Eveline, und erzähl ihr alles. "Jö!", freut sie sich, "Du interessierst dich für Esoterik! Da hab endlich ein Weihnachtsgeschenk für dich: das Gummibärli-Orakel." "Jessasmariaundjosef, was nicht noch alles - vielleicht eine Anleitung zum germanisch Weitbrunzen oder einen Bauplan für ein keltisches Plumpsklo!"

Inzwischen will ich gar nicht mehr wissen, ob mein Hund einmal Klimt oder Rembrandt gewesen ist, denn es beschäftigt mich schon eine neue Frage, wenn ich ihm so beim Krapferlmachen zuschau: Haben die Wienerinnen und Wiener ein Drittes Auge?

Zwei wie die meisten Menschen auf der Welt , und eines, das immer aufpaßt, damit sie in keines der vielen Hundstrümmerl steigen?


Zuerst erschienen: Quasi 12/98
AutorIn: Fritz Nussböck