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Erklärung von Künstlern aus Oberwart und Umgebung

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An die Österreichische Öffentlichkeit!

Erklärung von Künstlern aus Oberwart und Umgebung

Auf das Datum genau fünf Jahre nach jenem Tag, als sich ein österreichischer Terrorist auf den Weg machte, um seine Höllenmaschine vor der Roma-Siedlung in Oberwart für ein anderes Österreich zu disponieren, wurde die neue österreichische Bundesregierung angelobt. Ihr gehören Mitglieder einer Partei an, deren Obmann sich im August 1995 u.a. wie folgt zu jenem Attentat äußerte, das vier Roma in die Schattenrealität österreichischer Geschichtsbewältung bombte:

"Was die Roma betrifft, habe ich formuliert, was mir aus der Staatspolizei berichtet wurde. Warum schreiben Sie nicht, was wesentliche Kräfte der Staatspolizei berichten? Daß der Platz wo diese Opfer gefunden wurden, nach dem Attentat verändert worden ist? Man muß ja nachdenken, was da los ist: Da gehen irgendwelche Leute hin und schlichten Leichen um. Die können ja nach der Art der Detonation nicht so gelegen sein."

"Warum schreiben Sie nicht, wie die Hintergründe der Familien der Opfer sind. Wie das mit dem Rauschgifthandel ist oder mit den Vorstrafen von Familienmitgliedern."

(Der Standard, 16.8.1995)

"Es ist auch die Frage offen, warum die Männer, die im Gasthaus Karten gespielt haben, wie auf ein Signal mitten in der Nacht dort hingegangen sind - um irgend etwas zu erledigen? Das läßt bei manchen im Sicherheitsapparat die Vermutung zu, daß es sich hier auch um Rauschgiftgeschichten oder Waffenschmuggel gehandelt haben kann."

"Wer sagt, daß es da nicht um einen Konflikt bei einem Waffengeschäft, einen Autoschieber-Deal oder um Drogen gegangen ist?"

(Wirtschaftswoche, 17.8.1995)

Zu diesen Äußerungen, deren sprachliches Muster eindeutig auf die pauschale, rassistische Diffamierung einer ganzen Volksgruppe ausgericht ist, hat es bis zum heutigen Tag keine Entschuldigung gegeben. Nichteinmal ein Meinetwegen.

Wir, Künstler aus Oberwart und Umgebung, wollen an diese Äußerungen erinnern. Sie stellen längst keine verbalen Entgleisungen dar, sie sind die Sprache gewordene Fratze jener Gesinnung, die das Attentat von Oberwart erst ermöglicht hat.

Wir wollen erinnern. Weil das Gedächtnis bei vielen kürzer zu sein scheint als nach allen bisherigen Vermutungen.

Oberwart, am 7. Feber 2000

Peter Wagner, Schriftsteller und Regisseur
Wolfgang Horvath, Bildender Künstler
Jan Sokol, Musiker und Komponist
und andere


Diese Erklärung unterstützen:

Wir erklären uns (selbstverständlich) im Namen der GAV mit den Künstlern aus Oberwart solidarisch, wie mit allen, die gegen Rassismus und andere menschenverachtende Tendenzen eintreten und sich äußern.

Die Interessensgemeinschaft der österreichischen AutorInnen Autoren schließt sich dieser Solidaritätserklärung der GAV an. Wir erklären uns solidarisch mit den Künstlern aus Oberwart - und ebenso mit allen, die gegen Rassismus und menschenverachtende Tendenzen eintreten.


Zuerst erschienen: Öffentliche Erklärung vom 7.2.2000