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ÖFFENTLICHE ERKLÄRUNG
Ich schäme mich für diese Regierung, die dieses Land, sein Ansehen in
der Welt und den (von wirklich "anständigen und tüchtigen" [J.
Haider] Menschen) errungenen sozialen Frieden vorsätzlich schädigt.
Ich schäme mich für sogenannte christlich-soziale Politiker, die Jörg
Haider, der laut Obersten Gerichtshof öffentlich als Ziehvater des
rechtsextremen Terrorismus bezeichnet werden darf, für einen
geeigneten Partner halten, um dieses Land zu regieren.
Es mag sein, daß Jörg Haider selbst kein Nazi ist. Aber ich mache ihn
persönlich dafür verantwortlich,
- daß die braunen Ratten heute wieder aus ihren Löchern kriechen,
- daß er mit deren Gedankengut und Ausdrucksweise um deren Stimmen
wirbt,
- und daß heute mit offen menschenverachtenden Aussagen Politik
gemacht werden kann und wird.
Jeder Politiker hat in unserer demokratischen Gesellschaft das Recht,
mit Nazisprüchen und Stammtischgepolter auf Stimmenfang zu gehen und
mit finanziellen Versprechungen für Gemeinden mit dem höchsten
Stimmenanteil einer Partei Stimmen zu kaufen.
Zumindest derzeit noch hat aber auch jeder Mensch in Österreich das
Recht, öffentlich zu sagen, daß er solche Politiker und deren Parteien
nicht für geeignet erachtet, die Bundesregierung zu bilden.
Ich nehme mir dieses Recht daher hiermit heraus. Ich erhalte weder
Subventionen noch gehöre ich einer politischen Partei an noch
betrachte ich mich als politischen Chaoten. (Die "Ordnung", welche
nach dem "Aufräumen" (J. Haider) eines Jörg Haider herrschen soll,
strebe ich allerdings nicht an - also muß ich mir wohl die Bezeichnung
Chaot gefallen lassen und werde sie fortan mit Stolz tragen.)
Mit besonderem Nachdruck spreche ich Jörg Haider auch jegliches Recht
ab, mich - weil ich gegen seine Politik und außerdem Chaot bin -
"auszumisten" und "abzuschaffen" (J. Haider).
Eine verfassungsgemäß zustande gekommene Regierung ist in einer
Demokratie zu respektieren. Österreich ist zumindest derzeit noch eine
Demokratie und ich werde diese verfassungsgemäß zustande gekommene
Regierung daher respektieren.
Aber niemand kann mir verbieten, mich für diese Regierung zu schämen
und niemand kann mich dazu zwingen, diese Regierung über meine
gesetzlichen Pflichten hinaus zu unterstützen.
Und solange wir demokratische Rechte haben, sollten wir diese nützen:
- Wir haben seit 1867 das Recht, uns zu versammeln. Im Februar 2000
bezeichnet Jörg Haider die Ausübung dieses Rechtes als "Gewalt von der
Straße" (J. Haider). Der Mensch ist im übrigen studierter Jurist.
Unwissenheit kann ihm daher nicht als Entschuldigung gereichen.
- Ebenfalls seit 1867 haben wir das Recht, Petitionen einzubringen.
Politiker lieben feedback. Also tun wir ihnen doch den Gefallen und
sagen ihnen unsere Meinung. Emails beispielsweise kann man wohl
wirklich nicht genug bekommen. z.B.
joerg.haider@fpoe.or.at
wolfgang.schuessel@oevp.at
- Wir dürfen jeden Minister fragen, welche Daten seine Behörde über
uns gespeichert hat und dieser hat uns (einmal jährlich unentgeltlich)
binnen acht Wochen Auskunft darüber zu erteilen. "Freiheitliche"
Minister werden es sicher lieben, derartige Auskünfte zu erteilen,
weil sie sonst von der Datenschutzkomission gerügt würden.
- Auch jeder "freiheitliche" Minister hat über die Angelegenheiten
seines Wirkungsbereiches jedem Bürger über Anfrage binnen acht Wochen
Auskunft zu erteilen, soweit eine gesetzliche Verschwiegenheitspflicht
dem nicht entgegen steht.
Schön und gut, aber was hat das alles für einen Zweck?
Die Damen und Herren Minister sollen Arbeit bekommen. So viel Arbeit,
daß sie keine Sekunde Zeit finden, auch nur an ihr geradezu obszön
unsoziales und menschenverachtendes Regierungsprogramm zu denken.
Die Herren Schüssel und Haider sprachen, man möge ihr Programm
abwarten, bevor man sie beurteilt. Ich nehme sie beim Wort. Was also
plant unsere neue Regierung?
- Zwangsarbeit: "Langzeitarbeitslose sollen daher verpflichtet
werden, ... Arbeit anzunehmen" (Regierungsprogramm S 19)
- Zwangstherapie für Drogenkranke: "Angeordnete Therapien müssen
auch abgeschlossen werden." (S 46)
- Zwangspsychiatrierung: "Schaffung von Bestimmungen zur
Erleichterung der Behandlung von psychisch kranken Menschen ..." (S
108)
- Abschaffung der kollektiven Arbeitnehmermitbestimmung:
"Verlagerung von der überbetrieblichen in die betriebliche
Mitbestimmung. Insbesondere in Bezug auf Arbeitszeiten, ...
Kollektivvertragsrecht." (S 13).
- Abschaffung der Abfertigung: "Pensionskassensystem: Die
Abfertigung wird aus den Betrieben ausgelagert." (S 21) Und als
nächstes wird die staatliche Pension gekürzt, weil es ohnedies
Pensionskassen gibt.
- Gesundheit nur noch für Reiche: "Die Krankenkassen werden
ermächtigt, einen Selbstbehalt bis zu 20 % in ihren Satzungen
festzulegen. .... unter Ausnahme der sozial Schutzbedürftigen und
Kinder..." (S 26). Arbeitslose und Mindestrentner kommen dann in die
Sozialabteilungen der Krankenhäuser und Normalsterbliche bleiben krank
oder sind wenigstens nach längerer Behandlungsdauer "sozial
schutzbedürftig". "Wir sehen als zentrales Anliegen des
Krankenanstaltenwesens die Steigerung der Effizienz, die
Privatisierung und die Entpolitisierung in diesem Bereich." (S 46).
Ich für meinen Teil sehe als zentrales Anliegen des
Krankenanstaltenwesens die Sorge um die Erhaltung und
Wiederherstellung der Gesundheit der Menschen. Aber so will eben jeder
etwas anderes.
- Unabhängige Richter unter Kuratel: "Ausdehnung der Tätigkeit der
Volksanwaltschaft auf die Justizverwaltung einschließlich
verfahrensanordnender Entscheidungen von Richtern sowie auf das
Außerstreitverfahren." (S 11)
- Förderung der Reichen: "Die Einkommensobergrenze für den
Mehrkinderzuschlag entfällt." (S 33) Danke, Herr Minister Bartenstein,
daß Sie sich so großzügig von meinem Steuergeld bedienen.
- Abschaffung der Lehr- und Lernfreiheit: "Ziel ist die Bildung von
zweckmäßigen Schwerpunkten ...... zur gemeinsam finanzierten
Projektforschung... Dabei ist insbesondere auf die Nutzung dieser
Erkenntnisse ..... Bedacht zu nehmen." (S 47) "Es soll ein Weg
überlegt werden, nach welchem sich die Zahlen der Studierenden am
Arbeitsmarkt bedarfsgerecht orientieren..." (S 45)
- Fremdenfeindlichkeit: "Beschleunigte und konsequente Abschiebung
straffällig gewordener Ausländer" (S 60), auch wenn sie zB seit ihrer
Geburt hier leben und zB das Pech hatten, bei einem Verkehrsunfall aus
Unachtsamkeit eine Körperverletzung zu verursachen; uva.
- Umverteilung zu den Unternehmern: "'Redliches Scheitern' eines
Unternehmers darf nicht strafrechtlich geahndet werden." (S 76).
Bislang hingegen (Wer hat da eigentlich regiert??) wurden bekanntlich
alle redlichen Unternehmer eingesperrt.
"Rückstellungen (Anm.: für Abfertigungen) können steuerfrei aufgelöst
und zu Eigenkapital umgewandelt werden." (S 22). Man nehme den reichen
Arbeitern ihre Abfertigung und gebe den armen Unternehmen dafür
Steuerbegünstigungen.
- 12 plus 4 abgezählte Zeilen über Menschen- und Minderheitenrechte:
(S 5); "Die Bürger haben nach unserem Verständnis neben Pflichten
selbstverständlich auch Rechte gegenüber dem Staat. Dazu gehört das
Recht auf Anhörung, Mitwirkung und rasche Entscheidung in allen sie
betreffenden Angelegenheiten, das Recht auf Auskunft und auf Schutz
ihrer persönlichen Daten." (S 8). Na, wenn das nichts ist. Wer muß
sich schon versammeln, Vereine bilden, eine eigene Meinung haben,
diese auch noch äußern wollen, ein rechtsstaatliches Verfahren vor
einem unabhängigen Richter erwarten und sonst noch was.
- Aufrüstung: "...schrittweise Anhebung des Verteidigungsbudgets"
(S 116). Wie war das noch mit der "ordentlichen
Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches" (J. Haider)?
- Krieg: "Die Bundesregierung wird sich dafür einsetzen, daß eine
Beistandsgarantie zwischen den EU-Staaten in den EU-Rechtsbestand
übernommen und auch für Österreich wirksam wird." (S 111).Jedenfalls
nicht zu unserer Sicherheit, wir haben bald fast nur noch EU Staaten
als Nachbarn und von der Schweiz oder Liechtenstein fühle zumindest
ich mich nicht bedroht. Also sollen unsere Kinder in den Krieg ziehen,
wenn zB Griechenland mit der Türkei oder die Türkei als künftiges
EU-Mitglied mit dem Irak militärische Auseinandersetzungen hat.
- Widersprüchlichkeiten: "Beseitigung des Insolvenzmißbrauchs."
(S 110); "Zwingende Verständigung der Staatsanwaltschaft im Fall
von mangels Masse abgewiesener Konkursanträge" (S 108). Welche
Schurken haben hier die Insolvenz mißbraucht? Doch nicht etwa die
redlich gescheiterten Unternehmer?
Danke, meine Damen und Herren. Sie nehmen sich wenigstens kein Blatt
vor den Mund. Ich aber bin der festen Überzeugung, daß der Oberste
Gerichtshof es auch für zulässig erachten würde, dieses
Regierungsprogramm als rechtsextrem zu bezeichnen.
Und wie soll es weitergehen??
Wenn wir Glück haben, dürfen wir irgendwann auch wieder einmal wählen.
Und dann wissen die Wähler, was wirklich von den Ankündigungen eines
Herrn Schüssel zu halten ist (von wegen Opposition und so). Dann wird
es wirklich eine "Botschaft des Wählers" geben.
Oder glauben Schüssel und Haider tatsächlich, diese Regierung mit
diesem Programm hätte eine Mehrheit hinter sich?? Dann mögen sie den
Mut haben und Neuwahlen ausschreiben. Bekommen sie tatsächlich
solcherart auf ehrliche Weise eine Mehrheit im Parlament, dann halte
ich den Mund und schweige in demokratischer Demut.
Andernfalls werde ich mein Bestes geben, daß diese Regierung mit allen
legalen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft werden wird.
Markus Petrowsky
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