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awadalla at |
From Austria? Ah! Haider! Nazi! Faschist! | |||||
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"From Austria? Ah! Vienna! Very beautiful. Mozart! Very nice!" Mit
dieser kurzen, positiv besetzten Assoziationskette, der man im Ausland
oft begegnet, ist es wohl für einige Zeit vorbei. "From Austria?
Ah! Haider! Nazi! Faschist!" Einige Bekannte, die sich in den letzten
Tagen außerhalb der österreichischen Grenzen aufhielten,
sahen sich bereits mit diesen Zuschreibungen konfrontiert. Fendrichs
bittersüße Liebeserklärung "I am from Austria", ein
zur Erweckung patriotisch einigender Gefühle durchaus geeigneter
Schmachtfetzen, würde als Soundtrack ausländischer
Fernsehberichte über die Zustände in unserem Land nun exakt
das Gegenteil des ursprünglich Gewollten bewirken. Es fällt
nicht schwer, sich den Song als zynische Begleitmusik von Neonazis,
hochgereckten rechten Händen, Hakenkreuzfahnen und brennenden
Asylantenheimen vorzustellen. Es bräuchte kein einziges
erklärendes Wort. Die Bilder stehen. Sie sind etabliert. Das Ergebnis langmonatiger Regierungsverhandlungen ist eine fatal erfolgreiche, erschütternd wirksame und beängstigend folgenreiche Negativwerbung für Österreich. Der PR-Manager dieser einzigartigen Kampagne heißt Wolfgang Schüssel. Er hat unser Land und seine Bürger mit größtem Erfolg in Verruf gebracht. Daß er dabei die Warnungen seiner europäischen Kollegen nicht ernst genommen und sich bei vollem Bewußtsein zielstrebig und stur in den Pakt mit Haider hineingepokert hat, wird ihm, das läßt sich erahnen, in den Geschichtsbüchern einen Platz als tragische Schlüsselfigur der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung seiner ihm angeblich so sehr am Herzen liegenden Heimat sichern. Dabei müßte dem jahrelang geübten Politprofi der Zusammenhang zwischen Selbst- und Fremdbild, das Wechselspiel zwischen Innen- und Außenwirkung hinlänglich bekannt sein. Wir können die Reaktion der Europäischen Union überzogen, bevormundend und unangemessen empfinden. Wir können uns als aufgeschlossen, demokratisch und ausländerfreundlich beschreiben. Wir können uns als hochentwickelten, stabilen und vertrauenswürdigen Partner im europäischen Staatengebilde erklären. Doch, was immer wir können und wollen, unsere Botschaft, die kommt längst nicht mehr an. Unser Ruf ist verspielt. Österreich hat es auf die Titelseiten nahezu aller europäischen Zeitungen geschafft. Als ein Land, das Fremdenhass, Rechtsextremismus und Antisemitismus Eingang in seine Regierung gewährt. Psychotherapeuten beschreiben eine zu große Kluft zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung als neurotisches Phänomen. Den Hang der Österreicher zur Neurose hat schon Erwin Ringel diagnostiziert. Nun ist es wieder einmal so weit. Masochistischer noch als im Zuge der Waldheimaffäre bewegen wir uns in eine Stimmung, die uns schädigen und polarisieren wird. Österreich zeigt sich als einziges Krankheitsbild. Hauptsymptom ist, nach wie vor und wieder, das Verdrängen. Dabei würde es genügen, mit wachem Verstand Gesichtsaudruck und Körpersprache des von Schüssel zum europäischen Negativhelden hochkatapultierten Jörg Haider zu beobachten. Sein Bemühen, den weltläufigen Staatsmann zu spielen, wird immer wieder von pubertären Grinsern durchbrochen. Sein Ansinnen, mit souveräner Gestik Verantwortungsbewußtsein und Entschlossenheit zu signalisieren, wird permanent von den arroganten Gebärden eines machthaberischen Entertainers entlarvt. Und während er mit konzentrierter und gefaßter Stimme volksdienliche Reformen und politische Zuverlässigkeit verspricht, rotzt es frech, ausfallend und unverschämt aus ihm heraus. Haider und seiner Parteifreunde machen auf seriös. Unter dieser als Mittel zum Zweck vorgeführten Oberfläche sind sie gefährliche, destablisierende, Ressentiments und Vorurteile schürende, machtgeile Burschen geblieben. Daran wird sich kurz-, mittel- und langfristig nichts ändern. Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Seine guten Vorsätze betet uns Wolfgang Schüssel unermüdlich vor. Dabei macht er jedoch den Eindruck eines von allen guten Geistern verlassenen Strebers. Der Schaden, den er mit seinem Marsch auf den Kanzlerstuhl angerichtet hat, ist unermeßlich und grandios. Dafür kann sich Schüssel auf die Schultern klopfen. Warum es auch seine Parteikolleginnen und -kollegen tun, läßt sich nur mit dem schon beschriebenen, leider urösterreichischen, peinlichen und tragischen Hang zur Verdrängungsneurose erklären. Vor wenigen Tagen fand in unserem Land eine hochinteressante Personalrochade statt. Ein Platzwechsel, der andere Aspekte einer politischen Entwicklung beleuchtet, die Österreich, um den Journalisten Hans Rauscher zu zitieren, in eine Scheißgasse geführt hat. Erinnern wir uns. Sozialdemokratische Gewerkschafter fochten jüngst einen heißen Konflikt mit dem Magna-Konzern des Frank Stronach. Eine Mitarbeiterin war entlassen worden. Weil sie, so hieß es, die Etablierung betriebsrätlicher Strukturen betrieb, was, so die Kritik der Sozialdemokraten, einem wohl erworbenen österreichischen Arbeitsrecht entspricht. Ich finde es nun mehr als bemerkenswert, daß der bisherige Bundesgeschäftsführer der SPÖ, Andreas Rudas, seine berufliche Zukunft nun ausgerechnet in einer Schlüsselposition des Magna-Konzernes bestreitet. Und daß wiederum aus dem Führungskräftepool dieses Konzerns als neuer Finanzminister Haiders Ziehson Grasser in die Regierung geholt wird. Was ich hier anspreche, ist eine über die Jahre in die politische Mode gekommene unscharfe Grenzziehung. Ein Aufweichen der Positionen. Ein Hin- und Herinterpretieren von Grundsätzen und Meinungen. Eine österreichische Charakterspezialität. Was wir in den nächsten Wochen und Monaten wohl am dringensten brauchen, ist eine klare, eindeutige und auch kommunizierbare Haltung. Lähmung und Resignation helfen nicht weiter. Denken und Handeln sind angesagt. Ich stelle mir das Aufblühen von Strategie- und Ideenwerkstätten vor. Ich wünsche mir das Erfinden und Entwickeln vielfältiger Interventionen. Ich möchte Teil eines Netzwerkes sein, daß über den eigenen Tellerrand denkt. Dem die Zukunft unseres Landes wichtig ist. Das es nicht duldet, daß in Österreich ein Mann wie Jörg Haider den Ton angibt.
Zuerst erschienen: rede von thomas baum, 5.2.2000, demo in steyr | |||||